Gastbeitrag Personalvermittler

Im Blogeintrag „Personalvermittler“ teilt Pascal Betz seine Erfahrungen betreffend Personalvermittler.

Danke, dass Pascal mir, aus Sicht eines Personalvermittlers, die Chance gibt auf seinen Post zu antworten und allenfalls ein anderes Licht auf Personalvermittler zu werfen.

Source: findaphoto.com
Source: findaphoto.com

Der Vermittlermarkt ist riesig und hart umkämpft

Viele (oft bei grösseren Agenturen angestellte) Personalvermittler wagen den Schritt in die Selbständigkeit und überlegen sich, dass sie mit zwei Vermittlungen pro Monat leicht mehrere zehntausend Franken verdienen können. Dies ist natürlich attraktiver als ein monatliches Gehalt in einer Anstellung zu bekommen. So entstehen unzählige kleine Agenturen; momentan gibt es in der Schweiz ca. 4‘500 Personalvermittler.

Die meisten Grossunternehmen haben mittlerweile Preferred Supplier Listen und einen strategischen Einkauf eingeführt, sowie Compliance-Richtlinien, welche es kleinen Agenturen nicht mehr erlauben mit den Grossen zusammenzuarbeiten bzw. die Zusammenarbeit sehr reglementieren. Dadurch müssen sich die kleinen Personalagenturen auf KMU’s stürzen. Vermitteln um jeden Preis heisst die Devise, da das Honorar ihr Lohn ist. Um jeden Preis heisst dabei auch, dass gesetzliche Regelungen und ein korrektes Businessverhalten ausser Acht gelassen werden. Genau dies schadet dann dem Ansehen der gesamten Branche.

Folgende Punkte sind gesetzlich geregelt:

Die Ausschreibung einer Stelle muss den Tatsachen entsprechen

Wie Pascal in seinem Blogeintrag schreibt, verstehen Vermittler nicht, was die gesuchte Person an Erfahrungen und Skills mitbringen soll. Ausserdem kennen die Vermittler das Unternehmen nicht. Für ein seriöses „Matching“ zwischen Bewerber und Unternehmen ist es essenziell, dass der Personalvermittler den Bewerber und das Unternehmen kennenlernt und beiden Parteien die „richtigen“ Fragen stellt. Für die Sicherstellung der Qualität des sogenannten Qualifizierens des Kandidaten benötigt der Personalvermittler ausgebildetes Personal, welches auch auf bestimmte Branchen spezialisiert ist (z.B. IT, Pharma, Banken etc.) und den Markt innerhalb seiner Branche kennt.

Fiktive Stellenangebote müssen gekennzeichnet werden, ansonsten sind sie nicht zulässig

Personalagenturen ködern Bewerber mit fiktiven Angeboten, um Ihren Kandidatenpool aufzubauen und bei Stellenausschreibungen Unternehmen diese Kandidaten schnell anbieten zu können. Diese Art von Sourcing ist für Bewerber sehr unbefriedigend, da Sie sich auf eine spezifische Stelle bewerben, das Bewerbungsdossier zusammenstellen und dann maximal in der Datenbank einer Agentur landen.

Solche Angebote sind nur zulässig, wenn dies klar ersichtlich ist.

Datenschutz: Bewerbungsdossier darf nur mit Zustimmung des Kandidaten weitergeleitet werden

Vermittler, welche sich nicht an den Datenschutz halten und Personaldossiers ohne Zustimmung des Kandidaten weiterleiten, machen sich strafbar.

Sollten sich Vermittlungsagenturen nicht an diese Regeln halten, drohen der Entzug der Bewilligung, sowie eine hohe Busse. Zusätzlich verlieren diese Vermittler ihre Reputation (wenn sie jemals eine hatten). Aber eben – in der Not werden auch solche Mittel angewandt.

Source: SplitShire.com
Source: SplitShire.com

Gesetzliche Hürden zu tief

Personalvermittler kann jeder werden und es lockt das schnelle Geld. Zum einen gibt es keinen geschützten Titel als Personalvermittler und zusätzlich sind die gesetzlichen Hürden, um selbständiger Personalvermittler zu werden relativ tief. Eine Einzelunternehmung ist schnell gegründet und nach der Beantragung einer Bewilligung für die Vermittlung, welche zwischen 750 und 1‘650 Franken kostet, stehen die Türen zur Vermittlung von Personal offen.

Bei dem Personalverleih ist die Hürde mittels einer Kaution in Höhe von mindestens 50‘000 Franken höher. Zusätzlich gibt es im Personalverleih mehr Pflichten auf Seiten der Agentur, da diese der gesetzliche Arbeitgeber des Vermittelten ist.

Personalvermittler werben ab

Pascal schreibt in seinem Blogeintrag, dass Personalvermittler probieren seine Mitarbeiter abzuwerben. Über die Social Networks ist es sehr einfach geworden nach Personen mit bestimmten Fähigkeiten und Kenntnissen zu suchen und mit diesen in Kontakt zu treten. Personalvermittler bauen ein Netzwerk aus Kandidaten, Kunden, HR-Verantwortlichen etc. auf. Aus einem ehemaligem Kunden (Linienvorgesetzten) kann schnell ein potentieller Kandidat werden und umgekehrt.

Es ist aber nicht die Schuld der Personalvermittler, dass die eigenen Mitarbeiter zu anderen Unternehmen wechseln. Hier ist es eher die Aufgabe des Unternehmens ein möglichst attraktives Umfeld für seine Mitarbeiter zu schaffen. Dies kann durch Wertschätzung, Freiraum, Personalentwicklung (Weiterbildung, Trainings der Mitarbeiter) und natürlich auch durch finanzielle Anreize sein. Zufriedene und loyale Mitarbeiter lassen sich nicht abwerben. Und sollte sich ein Mitarbeiter doch abwerben lassen, war dieser vielleicht nicht mehr zufrieden und dadurch weniger engagiert und produktiv.

Kosten eines Vermittlers

Pascal schreibt, dass er sich persönlich um neue Anstellungen kümmert. Dies ist lobenswert und wichtig um Mitarbeiter zu finden, die zum Unternehmen passen und wer kann das besser beurteilen als ein Mitgründer von Simplificator?

Aus Unternehmenssicht ist eine Zusammenarbeit mit einem Personalvermittler auf den ersten Blick mit hohen Kosten verbunden. Nicht zu vernachlässigen sind aber die Kosten für die Ausschreibung einer Stelle, der zeitliche Aufwand den Rücklauf der Bewerbungen zu prüfen, Fragen von Bewerbern zu beantworten, Bewerber absagen, Interviews zu vereinbaren und so weiter. Ich bin der Ansicht, dass spezialisierte Partner einem Unternehmen helfen sich auf die eigenen (wertschöpfenden) Kernkompetenzen zu konzentrieren. Mit einem professionellen Personaldienstleister ist es auch möglich Lösungen zu finden, welche von der klassischen Vermittlung abweichen.

Mögliche Wege wären Try-and-Hire, einen neuen Mitarbeiter zuerst via Personalverleih befristet anzustellen (wobei alle Arbeitgeberrisiken beim Verleiher bleiben) und danach die Option einer Festanstellung zu haben oder mittels Mandat, bei dem das Unternehmen und der Personalvermittler einen Fixpreis für eine bestimmte Anzahl Stellen vereinbaren. Da der Personalvermittler hier exklusiv für den Kunden arbeitet und es eventuell eine Option auf zusätzliche Anstellungen gibt, ist der Preis tiefer  als bei einer klassischen Vermittlung. In Pascals speziellem Fall empfehle ich bestimmte Rekrutierungsprozesse an einen Personaldienstleister abzugeben (Recruitment Process Outsourcing). So könnten zum Beispiel die Stellenausschreibung, die Verarbeitung der Bewerbungsunterlagen und die Organisation der Interviews an einen Partner abgegeben werden.

Fazit

Unzählige Anrufe von Vermittlern zu bekommen oder ungefragt einen CV zu erhalten, bietet keinen Mehrwert für den Kunden. Ein guter Dienstleister bietet dem Kunden Lösungen an, welche ihm helfen seine tägliche Arbeit einfacher und besser zu machen, dies muss auch bei Personalvermittlern so sein.

Vielleicht können meine Ausführungen Pascal davon überzeugen, nicht die gesamte Branche der Vermittler vorzuverurteilen und einem Personaldienstleister irgendwann eine Chance zu geben.


Christoph Dopp ist bei Harvey Nash zuständig für das Contract Management Team in Zürich. Momentan betreut sein Team mehrere hundert Spezialisten, welche bei diversen Kunden in der Schweiz im Einsatz sind. Unter den Kunden befinden sich Unternehmen der IT-, Pharma-, Industrie- und Finanzbranche.

Seit 1988 rekrutiert Harvey Nash die besten Experten für Festanstellungen und Projekte für eine Vielzahl von führenden Unternehmen in der Schweiz und im Ausland. Harvey Nash operiert von 43 Standorten in Nordamerika, Asien, Australien und Europa aus und beschäftigt weltweit über 8‘000 Mitarbeiter und Experten. In der Schweiz ist Harvey Nash mit Niederlassungen in Zürich und Genf vertreten.

Christoph auf LinkedIn und Xing

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